„Für den Fall…“ – Vanessas Horror-Fund auf Richards Laptop schockiert ganz AWZ
Nach der abrupt abgebrochenen Herzoperation schwebt Richard Steinkamp zwischen Leben und Tod. Die Ärzte können nichts weiter tun, außer warten, hoffen, Zeit gewinnen – und genau diese läuft der Familie erbarmungslos davon. Die Steinkampfs klammern sich an jeden winzigen Funken Hoffnung, doch die Angst frisst sich durch jede Stunde. Essen steht still, das Zentrum aller Sorgen ist Richards Krankenhauszimmer, in dem Maschinen über sein Schicksal wachen.
Während Ludwig, Simone, Jenny und die anderen versuchen, Fassung zu bewahren, kämpft vor allem Vanessa mit der Hilflosigkeit. Sie möchte etwas tun, irgendetwas, das sie von der lähmenden Panik ablenkt. Nur eine kurze organisatorische E-Mail, sagt sie sich – ein Gedanke, der banal erscheint und doch zum Auslöser eines ungeheuren Schocks werden wird.
Ihr Laptop streikt jedoch genau in diesem Moment. Haushälterin Renate schlägt vor, einfach Richards Laptop zu benutzen, der ordentlich im Schrank liegt, so wie er ihn immer weggeräumt hat. Für einen Augenblick zögert Vanessa, ein ungutes Gefühl durchzuckt sie – als ahne sie bereits, dass diese scheinbar harmlose Entscheidung ihr Leben erschüttern wird. Doch dann greift sie doch nach dem Gerät. Der vertraute Geruch seines Parfüms lässt ihr die Kehle eng werden. Trotzdem klappt sie den Laptop auf.
Sie erwartet Fotos, Dokumente, vielleicht etwas Firmenkram. Nichts, was ihr wehtun könnte. Stattdessen fällt ihr Blick sofort auf einen Ordner, dessen Titel sie stutzen lässt. Er ist schlicht, unscheinbar – doch die Dateinamen treffen sie wie ein Schlag. Jeder beginnt mit denselben zwei Worten: „Für den Fall…“

In diesem Moment bleibt ihr das Herz stehen. Sie klickt auf das erste Video. Richards Gesicht erscheint auf dem Bildschirm – ernst, fast feierlich. Er sitzt an seinem Schreibtisch, spricht ruhig, mit einer gefassten Klarheit, die verrät, wie lange er sich auf diese Aufnahme vorbereitet hat. „Wenn du das siehst, bin ich vielleicht nicht mehr da.“
Die Luft entweicht aus Vanessas Lungen. Der Raum verschwimmt. Sie begreift: Ihr Vater hat Abschiedsvideos aufgenommen. Nicht nur eines – mehrere. Für jedes Familienmitglied ein eigenes, sorgfältig gedrehtes, für den schlimmsten Moment gedachte Botschaften. Richard wusste, dass die Operation gefährlich ist. Und er hat niemandem davon erzählt. Aus Angst, sie nur noch mehr zu belasten.
Vanessas Knie geben nach. Sie sinkt zu Boden, den Laptop an sich gedrückt, während Tränen über ihr Gesicht strömen. Ein Schrei steckt in ihrer Kehle fest, doch kein Ton kommt heraus. In einem weiteren Video spricht Richard über sie persönlich. Über ihre Auseinandersetzungen, über gemeinsame Momente, über seine Fehler, seinen Stolz, seine Liebe. „Vanessa, du bist stärker, als du glaubst. Und wenn ich nicht mehr aufwache, dann gib dir nicht die Schuld.“
Diese Worte brechen etwas in ihr. Nicht schlagartig, sondern in einem langsamen, grausamen Prozess. Sie erkennt, wie sehr Richard sich auf den möglichen Abschied vorbereitet hat. Wie sehr er damit gerechnet hat, dass er die OP vielleicht nicht überlebt. Und wie allein er mit dieser Angst gewesen sein muss.
Wut flammt in ihr auf. Wie konnte er schweigen? Warum hat er niemandem erzählt, wie schlimm es um ihn steht? Wieso musste er diese Last ganz allein tragen? Doch gleichzeitig strömt eine ungeheure Welle von Mitgefühl durch sie hindurch. Sie spürt nur noch eines: das verzweifelte Bedürfnis, ihn wiederzusehen – wach, lächelnd, lebendig.
Während sie ein Video nach dem anderen abspielt, wird die Situation immer unerträglicher. Richard hat an alles gedacht: an Worte für Jenny, an gute Wünsche für Simone, an Erinnerungen für Ludwig, an Botschaften für die gesamte Familie. Für den Moment, den niemand aussprechen will. Für den Fall seines Todes.
Vanessa erkennt, was dieser Fund wirklich bedeutet: Ihr Vater hat sich innerlich verabschiedet. Und sie weiß nicht, ob er jemals die Chance bekommt, diese Videos selbst wieder zu löschen, weil er in die Welt der Lebenden zurückkehrt. Der Gedanke zerreißt sie.

Nun steht sie vor einer unmöglichen Entscheidung. Soll sie den anderen davon erzählen? Haben Simone, Ludwig, Jenny oder Isabelle das Recht, diese letzten Worte zu hören? Oder würde es sie nur zerstören – jetzt, wo Richard noch am Leben hängt, wenn auch nur an einem seidenen Faden?
Noch ist es nicht soweit, sagt sie sich. Noch atmet er. Noch gibt es Hoffnung. Ein letzter Funken, der sich weigert, zu erlöschen.
Vanessa wischt sich die Tränen ab, schließt den Laptop mit bebenden Händen und kehrt an Richards Bett zurück. Sie nimmt seine reglose Hand in ihre, drückt sie fest und flüstert: „Papa, bitte wach auf. Ich bin nicht bereit, diese Videos zu brauchen.“
Der Fund ist ein emotionaler Erdrutsch. Ein Moment, der alles verändern wird – nicht nur für Vanessa, sondern für die gesamte Steinkampffamilie. Und doch wird aus dem Schmerz auch eine neue Kraft geboren. Vanessa spürt, dass sie kämpfen muss. Für ihren Vater, für ihre Familie, vielleicht auch für sich selbst. Die Videos sind eine Warnung, aber auch ein Weckruf: Sie dürfen ihn nicht aufgeben.
Die große Frage bleibt wie ein Schatten über allem: Wird Richard jemals wieder die Augen öffnen?
Oder waren diese Aufnahmen sein letzter Gruß, der Beweis dafür, dass er wusste, wie nah er dem Abgrund stand?
In dieser Stille zwischen Hoffnung und Verzweiflung entscheidet sich Vanessa, nicht zu kapitulieren. Solange Richard lebt, auch wenn es nur ein Hauch ist, wird sie an seiner Seite bleiben. Denn die Videos zeigen nicht nur seine Angst – sie zeigen auch seine Liebe. Und genau diese Liebe gibt ihr die Stärke, weiterzukämpfen, selbst wenn die Welt um sie herum zu zerbrechen droht.
Eine Wahrheit hat sich jedoch unauslöschlich in ihr Herz gebrannt: Richard war bereit zu sterben. Doch Vanessa ist nicht bereit, ihn gehen zu lassen.