Berlin – Tag & Nacht: Karims Abschiedsschock – Verlässt das Herz des Kiezes die Hauptstadt für immer? 🏙️💔👋

Das Alphatier als Höhlenmensch. Man kann Guido Lambrecht in Potsdam gerade in sehr unterschiedlichen Spielarten der Spezies “Mann” erleben. Mit seinem fünfstündigen Marathon „Serotonin” ist er nun also zum Theatertreffen eingeladen. So eine Art Goldmedaille in der Theaterszene. Wie’s manchmal so ist: gerade dann, wenn man keine Erwartungen hat.

Karim und Valentina genießen zusammen ihren Feierabend, als plötzlich zwei  Typen Valentina anbaggern. 😱 In der Not behauptet sie, Karim sei ihr  fester Freund und er spielt das Spiel nur allzu gern ...

Guido Lambrecht, Schauspieler

“Was gut war: ich habe mich schon während der Arbeit davon verabschiedet, darüber nachzudenken, ob das Erfolg haben könnte. Man will ja als Spieler auch wegen seiner Skills und alles was man macht, gemocht werden. Man hat als Spieler natürlich immer die Angst, nicht zu genügen. Gerade wenn man so sehr auf sich selbst zurückgeworfen ist: ich bin ja nur ich, der da ist.”

“Ich darf sagen, dass ich ein substanzloses Wesen bin.”

Ein Mann hält Rückschau auf sein verkorkstes Leben – depressiv sitzt er in seinem Hotelzimmer, nur noch, um sich langsam aus seinem Leben zu verabschieden.

“Irgendwie war ich nie in der Lage, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Und wie ich schon sagte, kann ich niemandem daran die Schuld geben. Nur mir selbst.”

Guido Lambrecht, Schauspieler

“Man hat immer mal nen Monolog in nem Stück – oder man spielt in ein Monologstück. Aber man ist nicht in dem ununterbrochenen Kontakt mit dem Zuschauer. Ich dachte, egal, ob das floppt – das ist ne Erfahrung, die machen nicht viele Leute, die bleibt mir für mein Leben und davon werde ich in anderen Bereichen profitieren.”

“Serotonin” basiert auf dem Roman von Frankreichs Erfolgsautor Michel Houellebecq – verehrter Gesellschaftskritiker oder verachteter Zyniker. Ein Sympathieträger ist sein Romanheld nicht.

“Das, was ich wirklich brauchte, das war Liebe. Oder wenigstens erstmal einen Schwanz in die Muschi.”

Aber da sind dann auch Sätze wie dieser.

“Ich fragte mich, ob Gott auch jenen die Hand reicht, die es nicht verdient haben.

Sebastian Hartmann, Regisseur

“Dieser Roman handelt davon, wie einsam man ist und wie depressiv unsere Gesellschaft geworden ist. Und wie sehr sie die Liebe verloren hat. Guido ist hier dann vielleicht eher sowas wie ein Performer. Auch wenn er sich letztlich vielleicht tradiert wie ein Schauspieler verhält.”

Regisseur Sebastian Hartmann und Guido Lambrecht haben gemeinsam diesen maximal reduzierten Abend geschaffen. Eine neue Form für die beiden, Sie kennen sich schon ewig, noch zu DDR-Zeiten von der Leipziger Schauspielschule.

“…und wir haben auch mehrere Szenenstudien gemacht – zum Beispiel die Nacht der langen Messer.”

Später brechen Sie mit Theatersehgewohnheiten, locken Berliner Publikum bis in die thüringische Kleinstadt, erobern große Häuser wie die Volksbühne und so weiter und so weiter. Eine inzwischen fast 40-jährige Künstlerfreundschaft.

Guido Lambrecht, Schauspieler

“Ich habe immer das Gefühl gehabt, in den Abenden bei Sebastian, dass es sehr lustvoll ist. Wie in so ne Arena steigen, in ein Kampfgebiet. Er hat einfach den Mut, anders zu denken. Außerhalb der Box. Will Grenzen austesten.”

Es war auch der Wunsch des Regisseurs, die Romanhandlung aus „Serotonin“ mit Erinnerungen aus Guido Lambrechts eigenem Leben zu kreuzen. Und so erzählt der Schauspieler von Weggabelungen, Verletzungen – selbst erlittenen und weitergegebenen.

“Er sagte dem Kind: wir werden uns trennen – und das Kind schrie so unglaublich…”

Guido Lambrecht, Schauspieler

“Da ich relativ viele Leben in einem Leben gelebt habe, viel gesprungen bin, viele Beziehungen hatte bis ich mei mir selber ankommen konnte. Das Gefühl, das Glück, das mir begegnet, dass ich das verdient habe – das ist ja ein tiefer psychologischer Prozess, man weiß das ja nicht, dass man bestimmte Dinge zerstört, weil man denkt, man hat es nicht verdient. Da muss man erstmal hinkommen, das zu verstehen, dass man Dinge kaputt macht. Das sind Schnittmengen, die ich vielleicht mit der Figur habe.”

Fünf Stunden also. Allein. Ohne Pause. Das ist Sog, Meditation, Anstrengung – für Zuschauer und Schauspieler.

Guido Lambrecht, Schauspieler

“Ich habe danach immer Kopfschmerzen – der Nacken… Ich versuche ja auch, mich nicht so viel zu bewegen. Die Zeit ist wirklich anstrengend, man merkt wirklich, wie sein Körper mal in so ein Loch fällt. Ich trinke ja auch nicht und das geht aber immer wieder weiter. Und das Schöne, Merkwürdige ist, dass die Zeit sich staucht. Das meine Zeitwahrnehmung sich verändert.”

Wem fünf Stunden zu viel sind – der kann Guido Lambrecht in Potsdam grade auch ganz anders erleben. In der bitteren Gesellschaftskomödie “Der Gott des Gemetzels”, wo die Emotionen etwas deutlicher nach außen getragen werden. Lautes versus lautloses Gemetzel – Guido Lambrecht zeigt seine Kunst gerade in unterschiedlichsten Ausführungen.

Sebastian Hartmann, Regisseur

“Ich finde das sehr modern, nicht viel zu machen, nem Menschen zuzugucken und vor allem zuzuhören, wie er ne Geschichte erzählt. Das finde ich persönlich sehr modern.”