Berlin “nicht ungefährlich” – warum manchmal schon ein falscher Blick zur Eskalation führen kann
Berlin erlebt derzeit eine weitere kriminelle Welle. Fast täglich sorgen neue Vorfälle mit Schüssen in der Hauptstadt für Schlagzeilen. Die Ermittler der polizeilichen Sondereinheit BAO Ferrum sind den Tätern auf der Spur – doch hinter den Taten verbirgt sich meist ein breites Netzwerk der Organisierten Kriminalität.

Eine Szene, die für Außenstehende nur schwer zu durchschauen ist. Ohnehin gelten dort oftmals ganz andere „Regeln“ – so kann bereits ein falscher Blick manchmal schon zur kompletten Eskalation führen…
Berliner Polizei hat alle Hände voll zu tun

„Berlin ist vergleichsweise eine sichere Stadt, wir leben nicht in Rio oder Caracas. Es wird im Regelfall auch auf den Straßen der Hauptstadt nicht wild durch die Gegend geballert“, stellte Thorsten Schleheider, Landesvize der Gewerkschaft der Polizei Berlin (GdP), direkt zu Beginn des Gesprächs mit BERLIN LIVE klar. Dennoch sei klar, „dass verfeindete Gruppen ihre gewalttätigen Auseinandersetzungen immer häufiger in der Öffentlichkeit austragen und dabei auch nicht immer alles tagelang im Voraus geplant wird“.
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Meist bewegen sich die Täter wie viele andere Menschen auch durch Berlin, besuchen Restaurants oder gehen feiern. Der Unterschied: „Es kann in bestimmten Kreisen ein falscher Blick oder ein Kommentar dazu führen, dass sich jemand in der Ehre verletzt fühlt und danach 80 Leute mit Holzlatten, Macheten und Schusswaffen aufeinander losgehen.“ Muss ich mir als Normalbürger jetzt etwa Sorgen machen, mich möglicherweise mal zur falschen Zeit am falschen Ort aufzuhalten?
„Viele Angriffe nicht, um gezielt jemanden zu töten“
Bisher ist es in den meisten Fällen am Abend oder in der Nacht zu Schussabgaben gekommen. „Das Risiko, nachts bei einer Tat entdeckt zu werden, ist natürlich ungemein geringer und man muss auch sehen, dass es bei vielen der Angriffe primär nicht darum ging, gezielt jemanden zu töten, sondern eher Warnungen zu hinterlassen“, betonte Schleheider gegenüber unserer Redaktion.
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Die Zielpersonen scheinen also konkret gewählt worden zu sein. „Das ist dennoch nicht ungefährlich, weil in einer Metropole wie Berlin auch nachts Menschen unterwegs sind. Wenn ich mehrfach auf ein Geschäft schieße, muss ich damit rechnen, dass Menschen um die Ecke kommen und durch Querschläger verletzt oder gar getötet werden“, erläuterte der Fachmann abschließend. Ganz unproblematisch ist es auf den Straßen in der Metropole an der Spree also derzeit auch nicht.