Bergdoktor Hans Sigl: So wird mein Weihnachten

Das Jahr über ist er der Bergdoktor, der Leib, Leben und gern auch die Liebe vor traumhafter Kulisse rettet. Am Ende des Jahres macht Hans Sigl (56) gern sein eigenes Programm. Zu einer „literarischen Schlittenfahrt“ bittet der beliebte Schauspieler am 10. Dezember in den ehemaligen Gasteig: Er liest Texte von Rilke, Tucholsky und Kaschnitz, bezieht das Publikum gern auch mal direkt mit ein, lässt stimmungsvolle Musik aufspielen und erinnert mit Dean Martins‘ Christmas Blues auch an die Menschen, die einsam sind und Hilfe brauchen. Ein Abend also mit durchaus therapeutischer Wirkung: „Meine Aufgabe ist es, den Menschen ein wenig den weihnachtlichen Stress von ihrem Herzen zu nehmen.“ Und sie gleichzeitig daran zu erinnern, dass es Wichtigeres gibt, als teure Geschenke und den perfekten Braten. Termine auch noch in Schwandorf (19.12.) und Ingolstadt (22.12.)

Hans Sigl traf sich mit tz-Kolumnistin Maria Zsolnay auf einen (alkoholfreien) Glühwein
Hans Sigl traf sich mit tz-Kolumnistin Maria Zsolnay auf einen (alkoholfreien) Glühwein. Links: mit Ehefrau Susanne. © Jens Hartmann für tz/Merkur

Herr Doktor, wie fühle ich mich nach der literarischen Schlittenfahrt?

Entspannter, stressfreier, mit einem offeneren Blick auf die Dinge. Die Leute kommen hoffentlich ein bisschen runter, sie sind ja alle irrsinnig gestresst. Denn alles wird überfrachtet: Hat man rechtzeitig die Packerl zusammen? Kommen die Verwandten? Dann muss aufgekocht werden, auch am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag, dann ist der Kühlschrank zu klein und so weiter. Diese ganze Logistik! Das geht nicht spurlos an den Leuten vorbei. Deshalb ist der Abend geschaffen dafür, den Stress loszuwerden.

Was ist Dein persönlicher Tipp für mehr Ruhe?

Ich bin ja Ratgeber für alles geworden, ob glückliche Ehe oder Blutzuckerspiegel (lacht). Es reicht schon, wenn man im Auto mal zwei Minuten sitzen bleibt, durchatmet, da ist schon mal viel gewonnen. Man muss sagen: Wir sind ohnehin privilegiert, wie wir Weihnachten feiern dürfen, damit meine ich wir leben in Frieden und sitzen im Warmen.

Bist Du selbst nicht gestresst? Immerhin drehst Du, machst ein Bühnenprogramm, musst proben. Und Weihnachtsgeschenke besorgen…

Ich bin der entspannte Schlusskandidat. Die Geschäfte haben ja auch am 24. noch auf. Und sind dann leer, weil alle sich davor schon wahnsinnig gemacht haben.

Was verschenkst Du?

Gern Gutscheine, zum Beispiel für eine Thaimassage. Selbstgebasteltes findet sich auch. Ich gehe jetzt nicht zu Tiffany und kaufe einfach mal ein Collier. Alles in Maßen.

Wer macht zu Hause die Vorbereitungen, wenn Du noch Geschenke kaufst? Wer kocht?

Niemand, weil es gibt Raclette. Find ich clever, da halten sich die Vorbereitungen in Grenzen. Am Nachmittag kehrt dann endgültig Ruhe ein, da schreibe ich ein Gedicht für die ganze Familie Seit Jahren mache ich das, es ist eine Art Jahresrückschau. Um 19 Uhr ist dann Anpfiff.

Auf Klingeling geht‘s los?

Genau so. Um halb sieben werd ich ein wenig nervös, weil es doch sehr festlich ist. Dann wird raclettiert, gegessen, geredet und zwischendurch beschert.

Wie war Weihnachten in Deiner Kindheit?

Das Schönste an den Kindheitserinnerungen ist, glaub ich, dass man den Stress, den die Großen so haben, nicht wahrgenommen hat. Ich erinnere mich an viel Schnee, aber vielleicht waren es auch nur 40 Zentimeter. Dann sind wir zu den Großeltern, dort gab‘s Würstel. Die gab es sonst auch, aber an Weihnachten halt auf einem besonderen Teller mit Goldrand. In meiner Erinnerung war es großartig.

Hättest Du nicht mal Lust auf Weihnachten unter Palmen?

Ja, diesen Gedanken gibt es. Aber ich komme nicht mal dazu ihn auszusprechen, da sagt die komplette Familie schon: Nein! Vergiss es! Sie sind nicht wegzubringen. Aber das ist auch schön, weil alle kommen zu uns. Mittlerweile mache ich mir schon einen Spaß draus und drohe: Nächstes Jahr verreisen wir.

Nach Weihnachten wird es ruhiger bei Dir?

Ja, dann ist mein Handy aus und ich mache wieder mein Digital Detox bis Ende Februar. Erreichbar bin ich schon, aber eben nicht auf Instagram. Spürbar wird der Verzicht nach zwei, drei Wochen. Man wird ruhiger und hat mehr Zeit, viel mehr Zeit! Schon morgens, wenn ich mir meinen Kaffee mache und dann nicht das Handy, sondern ein Buch zur Hand nehme. Irre, oder? (lacht.)