GZSZ vorschau War es wirklich nie Betrug
Er ist der Fels in der Brandung des Berliner Laien-Untergünstlings, das absolute Urgestein der Kult-Soap „Berlin – Tag & Nacht“: Seit mittlerweile über 15 Jahren verkörpert Lutz Schweigel die Rolle des gutmütigen, aber steinharten Boxtrainers Joe Möller. Auf dem Bildschirm gibt es kaum eine Krise, die Joe nicht mit seinen Fäusten oder einem väterlichen Rat lösen kann. Er steht für maskuline Stärke, unerschütterliche Ruhe und pure Resilienz im Berliner Kiez. Doch hinter der harten Fassade des durchtrainierten TV-Lieblings spielte sich jahrelang ein stilles, hochemotionales Drama ab, von dem die Millionen Fans vor den Bildschirmen keine leiseste Ahnung hatten. Lutz Schweigel litt privat unter einer lähmenden, unberechenbaren Angst, die seinen Alltag zeitweise in ein absolutes psychisches Gefängnis verwandelte: der Tunnelangst.

Es ist eine spezifische Form der Klaustrophobie, eine irrationale, panische Angst vor engen, geschlossenen Räumen, die Betroffene völlig unvorbereitet in die Knie zwingen kann. Für Schweigel kam der Schrecken aus dem absolut Nichts. Mitten in einer ganz normalen Autofahrt, beim Einfahren in einen längeren Tunnel, schlug die Phobie das erste Mal gnadenlos zu. Was als banale Fahrt begann, endete in einer handfesten Panikattacke: plötzliche Beklemmung, Schweißausbrüche, rasendes Herzklopfen und das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Symptome, die den Schauspieler von heute auf morgen wie ein Schlagtrauma einholten.

Besonders dramatisch wurde die Situation während eines privaten Urlaubs, der eigentlich ein Befreiungsschlag sein sollte. Auf einer Motorrad-Tour mit engen Freunden durch die majestätische Landschaft Norwegens passierte das, was für Schweigel der absolute Super-GAU war. Vor den Bikern tat sich ein gigantischer, 24 Kilometer langer Tunnel auf – eine kilometerlange Röhre aus purem Beton und Dunkelheit. Gefangen von der nackten Angst, sah der TV-Star keinen anderen Ausweg mehr: Er legte auf offener Strecke eine lebensgefährliche Vollbremsung hin. Das Geständnis gegenüber seinen Kumpels („Leute, ich kann hier nicht durchfahren!“) kostete den sonst so starken Mann extreme Überwindung.
Da ein stundenlanger Umweg die Gruppe kurz vor dem Ziel komplett zerrissen hätte, gab es nur einen Ausweg: die Flucht nach vorn. Eingekesselt von seinen Freunden – einer vor ihm, einer hinter ihm – raste Schweigel durch die skandinavische Dunkelheit. Am Ziel angekommen, war der Schauspieler klatschnass geschwitzt, völlig dehydriert und körperlich so am Ende, als hätte er gerade einen brutalen Marathon absolviert. Die Angst hatte die absolute Kontrolle über seinen Körper und seinen Verstand übernommen.
In der Folgezeit bestimmte die Phobie zunehmend Schweigels Leben. Motorrad-Touren wurden nicht mehr nach der schönsten Landschaft geplant, sondern nach der Abwesenheit von Tunneln – ein logistischer und mentaler Kraftakt, der den Alltag massiv einschränkte. Der Gang zu zahlreichen Ärzten und klassischen Therapeuten brachte über Jahre hinweg keinen Erfolg. Jedes Mal aufs Neue enttäuscht zu werden, verstärkte das Gefühl der Hilflosigkeit.
Hinzu kam die psychologische Last des Schweigens. Gerade als Person des öffentlichen Lebens, die ein starkes Image zu wahren hat, ist das Zugeben von Schwächen mit einem enormen Stigma behaftet. Die Sorge, in der harten TV-Branche als unzuverlässig zu gelten oder schlichtweg weniger gebucht zu werden, ließ Schweigel lange zögern, sein Geheimnis zu teilen. Doch der Leidensdruck in der Gesellschaft ist hoch – die Dunkelziffer bei Angststörungen gigantisch.
Die Rettung kam schließlich durch einen glücklichen Zufall und eine revolutionäre Methode. Ein Freund vermittelte dem BTN-Star den Kontakt zu einem spezialisierten Angst-Therapeuten, der eine sogenannte EioS-Therapie (Emotions-isolierende operative Suggestionstherapie) anwandte. Was wie ein medizinisches Wunder klingt, war für Schweigel der finale Befreiungsschlag: Nach einer nur 20-minütigen, hochintensiven Sitzung war die Blockade im Gehirn wie weggewischt. Um den Erfolg direkt auf die Probe zu stellen, wagte der Schauspieler die Fahrt durch den längsten Tunnel Deutschlands – und passierte ihn ohne jegliche Symptome, mit absolut freiem Kopf.
Mit seinem mutigen Schritt an die Öffentlichkeit bricht Lutz Schweigel nun ein großes Tabu. Er will Betroffenen Mut machen, sich nicht für ihre Ängste zu schämen, sondern aktiv Hilfe zu suchen. Sein Fall zeigt eindrucksvoll: Auch die härtesten Serienersthelfer sind am Ende nur Menschen – doch keine Angst der Welt ist so groß, dass man sie mit der richtigen Unterstützung nicht doch besiegen kann.