Thorsten Hamer ist tot – SAT.1 trauert um ‘Die Landarztpraxis’-Star

Es gibt Nachrichten, die sich wie ein dunkler Schleier über die glitzernde Oberfläche des Schliersees legen, dort, wo normalerweise die idyllische Welt von „Die Landarztpraxis“ ihre Zuschauer verzaubert. Die Nachricht vom Tod des Schauspielers Thorsten Hamer ist eine solche. Mit nur 43 Jahren wurde ein Mann aus dem Leben gerissen, der nicht nur eine Rolle spielte, sondern einer der sympathischsten Figuren der deutschen Vorabendunterhaltung ein Gesicht, eine Stimme und eine Seele gab. Als Koch Matthias „Matti“ Steininger war er weit mehr als nur ein Statist im Hintergrund – er war das kulinarische und emotionale Herz des Gasthofs „Alte Post“.

Matti Steininger: Mehr als nur eine Schürze

Wenn wir an „Die Landarztpraxis“ denken, denken wir an die großen Dramen, die medizinischen Notfälle und die romantischen Verwicklungen vor der bayerischen Alpenkulisse. Doch es sind die Charaktere wie Matti, die die Serie erden. Über 151 Folgen hinweg verkörperte Thorsten Hamer den Bruder von Sabrina und den charmanten, oft unterschätzten Koch des Dorfes.

Hamer war kein Schauspieler, der Dinge halbherzig anging. Um Matti authentisch darzustellen, absolvierte er vorab einen Kochkurs. Er wollte, dass jeder Handgriff am Herd, jedes Schneiden von Zwiebeln und jedes Anrichten eines Tellers echt wirkte. Diese Hingabe spürten die Zuschauer. Matti war der Typ von nebenan – verlässlich, humorvoll und mit einer bodenständigen Herzlichkeit gesegnet, die in der oft hektischen Fernsehwelt selten geworden ist. Sein One-Night-Stand mit Bianca oder seine geschwisterliche Dynamik mit Sabrina sorgten für jene menschlichen Momente, die „Die Landarztpraxis“ zu einem festen Ritual für Millionen von Menschen machten.

Ein Multitalent hinter der Kamera

Doch wer war der Mann hinter der Kochschürze? Thorsten Hamer (1982–2026) war ein Künstler mit vielen Facetten, dessen Talent weit über das Set in Bayern hinausreichte. Viele kannten ihn als den Mann, der die deutsche Komiker-Legende Heinz Erhardt wiederauferstehen ließ. Seine Imitationen waren keine bloßen Kopien; er fing den Geist, das Timing und den feinsinnigen Humor Erhardts so präzise ein, dass er bundesweit auf den Theaterbühnen gefeiert wurde.

Hamer war ein Kind des Theaters. Ob in Krimiserien wie „Notruf Hafenkante“ oder „SOKO Wismar“ – er bewies immer wieder seine Wandelbarkeit. Besonders bemerkenswert ist seine letzte Rolle in dem Film „Block 10“. Hier zeigte er eine völlig andere Seite: In einem bedrückenden Drama über die menschenverachtenden medizinischen Experimente im Konzentrationslager Auschwitz bewies er eine schauspielerische Tiefe, die weit über das Wohlfühl-Genre einer Vorabendserie hinausging. Es zeigt das tragische Paradoxon eines Künstlerlebens: Er stand gerade an der Schwelle zu noch größeren, komplexeren Rollen, als sein eigener Vorhang fiel.

Die Stille nach dem Applaus

Der 8. Februar 2026 markiert nun ein Datum tiefer Trauer. Laut der Anzeige im „Solinger Tagesblatt“ verstarb Hamer an diesem Tag und hinterlässt eine Lücke, die nicht nur am Set von SAT.1 schmerzlich spürbar ist. Die Reaktionen der Kollegen sprechen Bände über seinen Charakter. „Wir tragen Dich weiter in unseren Herzen“, schreibt seine Familie. Und auch der Sender SAT.1 zeigt sich erschüttert über den Verlust eines „viel zu früh“ gegangenen Weggefährten.

Was bleibt, wenn ein Star so jung geht? Es sind die 151 Folgen, in denen er uns zum Lächeln brachte. Es ist die Professionalität, mit der er seine Rollen anging, und die menschliche Wärme, die er ins Team trug. Hamer war bekannt dafür, auch privat viel mit seinen Kollegen zu unternehmen – er war ein Verbindungselement, ein Mensch, der Gemeinschaft schätzte und pflegte.

Ein Vermächtnis in Bildern und Emotionen

Für die Fans der „Landarztpraxis“ wird es schwer sein, die kommenden Episoden zu sehen, ohne an den Mann hinter Matti zu denken. Die Serie wird weitermachen müssen, doch die Atmosphäre im Gasthof „Alte Post“ wird sich unweigerlich verändern. Ein Stück der Seele von Schliersee ist mit Thorsten Hamer gegangen.

In einer Zeit, in der das Fernsehen oft flüchtig ist, hat Thorsten Hamer bewiesen, dass man auch in einer täglichen Serie echte Spuren hinterlassen kann. Er war ein Handwerker im besten Sinne, ein Unterhalter mit Tiefgang und ein Mensch, dessen Lachen nun schmerzlich vermisst wird.

Wir verneigen uns vor einem großen Talent, das viel zu früh von der Bühne des Lebens abgetreten ist. Ruhe sanft, Matti. Ruhe sanft, lieber Thorsten. Dein Platz am Herd der „Alten Post“ wird in unseren Gedanken niemals leer sein.