AWZ: Weiß Jan von seiner gefährlichen Reise? – Wird Vanessas Geheimnis gelüftet?
In Alles was zählt gerät Vanessa Steinkamp in einen der schwersten moralischen Konflikte ihres Lebens – ein Konflikt, der nicht nur ihre Beziehung zu sich selbst, sondern auch zu den Menschen, die ihr am wichtigsten sind, unwiderruflich verändert. Die Lage spitzt sich zu, als ihr Vater Richard in akuter Lebensgefahr schwebt. Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich dramatisch, die medizinischen Optionen werden knapper, und mit jedem Tag verschwinden die Hoffnungen auf eine lebensrettende Behandlung. Vanessa, ohnehin zerrissen zwischen beruflicher Verantwortung und persönlicher Verzweiflung, klammert sich an jeden Strohhalm. In ihrer Panik trifft sie eine Entscheidung, deren Tragweite sie selbst kaum ermessen kann.
Heimlich veranlasst sie einen Blutgruppentest, in dem sie die Daten ihres Vaters mit denen von Jan vergleicht – einem langjährigen Freund der Familie und jemand, der ihr selbst immer nahegestanden hat. Jan ist schwer krank, todkrank, und sein ohnehin schwacher Zustand lässt wenig Hoffnung auf Besserung. Als die Testergebnisse ergeben, dass er theoretisch als Spender infrage kommen könnte, bricht in Vanessa innerlich eine Welt zusammen. Sie weiß, dass dieser Gedanke nicht nur medizinisch, sondern vor allem moralisch ein Abgrund ist. Ein potenzieller Spender, der selbst kaum noch Zeit hat. Ein Freund, der nichts von alledem weiß. Und ein Vater, dessen Überleben vielleicht von einem tragischen Zufall abhängen könnte.

Vanessa kämpft gegen die eigene Verzweiflung an. Sie fühlt sich hin- und hergerissen zwischen ihrer Liebe zu ihrem Vater, ihrer Loyalität zu Jan und der zunehmenden Angst, dass jede Entscheidung falsch sein könnte. Die Frage, ob Jans Tod ihrem Vater das Leben retten könnte, verfolgt sie wie ein Schatten. Dieser Gedanke ist so unerträglich, dass sie beschließt, alles geheim zu halten. Nur ihrer Mutter Simone offenbart sie ihr Handeln. Simone ist die einzige Person, bei der sich Vanessa sicher fühlt, die sie nicht verurteilt – zumindest hofft sie das. Trotz dieser Beichte wünscht sich Vanessa nichts sehnlicher, als die Situation rückgängig machen zu können. Doch die Wahrheit liegt nun schwer zwischen all ihren Beziehungen.
Die Lage eskaliert weiter, als Imani – Jans Partnerin – fröhlich verkündet, dass sie mit Jan nach Lappland reisen möchte, damit er seinen letzten großen Traum erfüllen kann: die Nordlichter sehen. Für Jan eine Reise voller Hoffnung, ein Lichtblick in seinen letzten Tagen. Für Vanessa jedoch ein Albtraum. Sie fürchtet, dass Jans geschwächter Körper der Kälte nicht standhalten könnte. Was, wenn er unterwegs zusammenbricht? Was, wenn er stirbt – und damit eine Wahrheit bestätigt, die sie selbst kaum zu denken wagt?
Als Imani Vanessa bittet, die Reise zu übernehmen und organisatorisch abzusichern, stimmt Vanessa zunächst reflexartig zu. Doch jedes Mal, wenn sie die Daten in das System eingeben will, wird sie von Schuldgefühlen überwältigt. Schließlich zerreißt sie impulsiv die Unterlagen – ein verzweifelter Versuch, die innere Last zu lindern, die sie zu ersticken droht.
Doch damit ist es nicht getan. Vanessa versucht aktiv, die Reise zu verhindern. Sie nennt Imani organisatorische Probleme, angebliche Schwierigkeiten im OP und plötzlich eingereichte Urlaubsanträge. Gleichzeitig streut sie Zweifel über Jans gesundheitliche Stabilität und die Risiken des Fliegens. Sie versucht, die Reise aus Sorge – oder aus Angst vor den Konsequenzen – zu sabotieren. Doch Imani spürt sofort, dass Vanessa unaufrichtig ist. Ihr Verhalten wirkt widersprüchlich, unvernünftig und seltsam angespannt.
Als Imani schließlich durch Zufall von dem Kreuztest erfährt, fügt sich für sie plötzlich alles zusammen. Die Erkenntnis trifft sie wie ein Schlag: Vanessa hat hinter Jans Rücken, hinter ihrem Rücken und entgegen jeder moralischen Grenze gehandelt. Der Gedanke, dass Jans möglicher Tod Richards Rettung bedeuten könnte, macht sie fassungslos.
Im Krankenhaus stellt Imani Vanessa zur Rede. Ihre Stimme schwankt zwischen Entsetzen, Schmerz und Wut. Sie verlangt eine klare Antwort – und Vanessa bricht zusammen. Mit brüchiger Stimme gesteht sie alles: den Test, die Hoffnung, die Angst um ihren Vater, die Verzweiflung, die sie zu diesem Schritt getrieben hat. Sie beteuert, dass niemand etwas erfahren sollte und dass sie sich von der Situation überrollt fühlte. Doch für Imani wiegt eine Wahrheit schwerer als alles andere: Das Leben des Mannes, den sie liebt, wurde ohne sein Wissen in Frage gestellt.

Als sie Vanessa direkt fragt, ob sie insgeheim auf Jans Tod hofft, bleibt Vanessa stumm. Dieses Schweigen bedeutet das Ende. Die Freundschaft der beiden Frauen, die so viele Höhen und Tiefen überstanden hat, zerbricht innerhalb von Minuten. Vertrauen weicht Entsetzen. Loyalität wird von Verletzung verdrängt.
Trotz des Schocks entscheidet Imani sich jedoch – rational und aus Liebe zu Jan –, die Wahrheit für sich zu behalten. Sie möchte ihn schützen und ihm in seinen letzten Tagen nicht zusätzliches Leid zumuten. Beim nächsten Wiedersehen umarmt sie Jan ruhig, aber mit einem neuen, schweren Bewusstsein. Sie sagt ihm, wie sehr sie ihn liebt, wie sehr sie ihn braucht und wie groß die Angst ist, ihn zu verlieren. Doch die Last, die sie nun trägt, ist gewaltig.
So stehen zwei Frauen nebeneinander, beide belastet von einer bedrückenden Wahrheit. Beide ahnen, dass dieser Verrat – gewollt oder ungewollt – über Jans letztem Lebensabschnitt schwebt wie ein unsichtbarer Schatten. Und beide wissen insgeheim: Sollte Jan jemals herausfinden, was sie getan und verschwiegen haben, wäre dieses Wissen vielleicht das Schwerste, das er je ertragen müsste.
In dieser emotionalen Spirale aus Schuld, Angst, Liebe und Verzweiflung kämpft Vanessa weiter mit den Folgen ihrer Entscheidung, während Imani versucht, ihre innere Erschütterung vor Jan zu verbergen. Richards Schicksal bleibt ungewiss, Jans Gesundheit schwindet, und zwischen allen Beteiligten zieht sich ein unsichtbares Netz aus Geheimnissen und Moralfragen. So entwickelt sich ein tragischer Konflikt, der die Beziehungen aller Beteiligten auf eine harte Probe stellt – und letztlich zeigt, wie dünn der Grat zwischen Hoffnung und Verzweiflung sein kann.