Krimiserie: Die Rosenheim-Cops – Ausgetanzt (ZDF 16:10 – 17:00 Uhr)

Der Schein trügt, vor allem, wenn er von glitzerndem Parkett und eleganter Abendgarderobe reflektiert wird. In der Episode „Ausgetanzt“ der „Rosenheim-Cops“ wird das malerische Oberbayern gegen die scharfe, eiskalte Welt des professionellen Tanzsports getauscht. Das ZDF liefert uns am Dienstagnachmittag einen Krimi, der beweist, dass hinter dem perfekten Lächeln der Standardtänzer die tödlichsten Ambitionen lauern. Die Kommissare Stadler und sein Kollege müssen sich in einem Milieu zurechtfinden, in dem ein verpatzter Chassé schlimmer ist als eine Beleidigung – und in dem ein Todesstoß mit der Präzision eines perfekt ausgeführten Quicksteps erfolgt.


Das Opfer des Abends ist der gefürchtete Professor Emil Dreher, Inhaber der renommierten „Dreher Tanzakademie“ und Juror bei internationalen Wettbewerben. Dreher, bekannt für seine rücksichtslose Kritik und seine eiserne Disziplin, wird tot in der Mitte des glanzvollen Ballsaals aufgefunden. Die Todesursache ist rätselhaft: Keine sichtbaren Verletzungen, nur ein kalter, leerer Blick. Gerichtsmedizinerin Dr. Achtziger stellt nach ersten Untersuchungen fest, dass Professor Dreher durch eine präzise, injizierte Dosis eines kaum nachweisbaren Toxins gestorben ist – ausgeführt mit der chirurgischen Genauigkeit, die Dreher selbst von seinen Schülern forderte. Wer auch immer ihn getötet hat, kannte sich nicht nur mit Giften, sondern auch mit der Kunst der Unsichtbarkeit aus.

Die Rosenheim-Cops S13E06: Ausgetanzt – fernsehserien.de


Die Ermittlungen geraten ins Stocken, da Kommissar Stadler (im Auftrag des Chefs) feststellt, dass jeder, der in den letzten 20 Jahren einen Tanzschritt in der Akademie gemacht hat, ein motivierter Verdächtiger ist. Die Liste derer, deren Leben Dreher durch seine Brutalität ruiniert hat, ist lang. Die Cops konzentrieren sich zunächst auf die engsten Kreise des Toten. Da ist zum einen Elisa Mayer, die aufstrebende Amateur-Tänzerin, deren Traum von einer Profi-Karriere Dreher nur Stunden vor seinem Tod mit einer vernichtenden Kritik zerstört hatte. Elisa hatte alles für den Tanz aufgegeben – ihre Wut und ihr Gefühl des Verrats sind greifbar. Sie besitzt ein Alibi, das auf den ersten Blick wasserdicht erscheint, aber Kommissar Hansen (oder sein jeweiliger Vertreter) entdeckt einen winzigen Riss in ihrer Choreografie der Lügen.


Doch die Geschichte wird noch düsterer. Frau Stockl – die mit ihrem unfehlbaren Instinkt und ihrer Recherchefreude einmal mehr unverzichtbar ist – deckt eine finanzielle und emotionale Hölle auf, die Professor Dreher mit seiner langjährigen Tanzpartnerin und Co-Besitzerin der Akademie, Theresa Wolf, teilte. Theresa hasste Dreher für seine kontrollierende Art und die Tatsache, dass er sie finanziell entmündigt hatte. Sie wollte die Akademie übernehmen und sie mit einem weicheren, menschlicheren Ansatz führen, was Dreher mit aller Macht verhinderte. Die Cops finden heraus, dass Theresa am Tatabend Zugang zu den Medikamenten eines ihrer kranken Kursteilnehmer hatte – Medikamente, die die Basis für das verwendete Toxin bilden könnten.


Die große Wendung der Episode dreht sich jedoch um den mysteriösen ehemaligen Champion Markus Kern. Kern wurde vor zehn Jahren von Dreher diskreditiert und aus der Akademie verbannt, nachdem Dreher ihm einen Doping-Skandal angehängt hatte – eine Lüge, wie sich jetzt herausstellt. Kern, der verzweifelt um seine Wiedereinsetzung und die Rückkehr in die Tanzwelt kämpfte, hatte Dreher am Tag des Mordes in einem unbeobachteten Moment konfrontiert und ihn mit alten Beweisen der damaligen Intrige erpresst. War Kern derjenige, der den perfekten Mord ausführte, um seine Ehre wiederherzustellen? Die Kommissare müssen tief in die verworrenen Schritte einer fast vergessenen Intrige eintauchen, um den Täter zu finden.


Die Auflösung ist typisch „Rosenheim-Cops“ – überraschend, raffiniert und zutiefst menschlich. Am Ende zeigt sich, dass der Mord nicht aus Gier, sondern aus einer Mischung aus gebrochener Liebe und einem Leben im Schatten geschah. Der Täter hatte in den Augen Drehers nie die „perfekte Haltung“ erreicht und sah im Mord den einzigen Weg, sich endgültig aus seinem toxischen Einfluss zu befreien. Der Ballsaal war die Bühne des Verbrechens und des Gerichtsurteils zugleich. Die Episode „Ausgetanzt“ beweist, dass man in Rosenheim nicht nur den Mörder überführt, sondern auch die Wahrheit hinter dem perfekt einstudierten Lächeln der Oberschicht aufdeckt. Es gabat a Leich – und diesmal ist der Rhythmus der Gerechtigkeit gnadenlos.