„Sturm der Liebe“: Abschied von Dr. Niederbühl
Sie verabschieden sich heute mit dem selbst komponierten „Unsere Liebe.“ Was ist das für ein Lied?
Das Lied ist mein von Herzen kommendes Dankeschön an die Fans. Ich wollte mit einem Geschenk gehen. „Unsere Liebe“ ist natürlich durch meine Frau inspiriert. Man kann nicht über die Liebe schreiben, ohne an die eigene zu denken. Innerhalb von drei Tagen hatte ich es. Da musste offensichtlich was raus.
16 Jahre lang verkörperten Sie Dr. Niederbühl. Was hat diese Figur so beliebt gemacht?
Dr. Niederbühl ist eine großartige Figur, weil sie nie merkt, wann das Krokodil hinter ihr steht. Sie ist einfach so positiv eingestellt. Die Zuschauer hassen es, Zeuge davon zu werden, wenn einer ins Unglück rennt. Ob jetzt durch eine falsche Liebe oder einen Verbrecher oder weiß der Kuckuck. Die Leute fragen sich, wann kommt er endlich drauf, dass er oder sie böse ist.
Kannten Sie die Serie in Ihrer Zeit als Theaterschauspieler?

Nur vom Hören und Sagen. Das hat mich damals gar nicht interessiert. Ich habe sogar gehadert mit diesem Anruf. Ich in einer Telenovela, das kann doch nicht gut ausgehen, dachte ich mir und fragte meinen Vater um Rat. „Warum denn nicht? Du musst Geld verdienen“, meinte er. Er hat es ganz pragmatisch als Job gesehen.
War es einschüchternd, als junger Schauspieler mit solchen Legenden wie Fritz Muliar, Elfriede Ott und Otto Schenk auf der Bühne zu stehen?
Die haben alles getan, um mich einzuschüchtern. Diese Theatergiganten hatten schon auch ein ziemliches Ego. Als junger Schauspieler da hineinzukommen, das war harte Schule. Beste Erinnerungen habe ich an Elfriede Ott. Sie war die erste, die an mich geglaubt hat. Von Otto Schenk habe ich auch viel gelernt.
Wie war das Casting in München?
Ich ging nicht davon aus, dass ich die Rolle kriege, zumal ich ja kein Deutscher bin und es sprachliche Differenzen gibt. Ich saß also im Warteraum unter den gleichfalls vorsprechenden Kollegen und bekam mit, dass die zu spielende Szene mit einem „Wie konntest du mir das antun?“ begann. Alle schrien diesen Satz und ich habe mir gedacht, ich mache genau das Gegenteil und lege den Satz ganz leise an. Das war wohl ausschlaggebend für mein Engagement. Und so stieg ich in Folge 884 ein. In Folge 4500 spiele ich nun meinen Song und in 4501 werde ich meinen Abschied nehmen.
Wie war die Umstellung von Theater auf Film?
Das war schon spannend. Jeden Tag 49 Minuten sendefähiges Material zu drehen, das war schon eine Herausforderung. Der Druck ist nicht gering. Von 7h früh bis 7h abends stehen die Leute habt acht und produzieren. Und das zehn Monate pro Jahr. Zwanzig Jahre lang diese Qualität zu bringen, ist eine irre Leistung.
Das Schauspielerische in der Serie wurde nie zum Beamtentum, sagen Sie. Wie das?
Nach wenigen Monaten schon habe ich gemerkt, dass in dieser Art zu arbeiten, eine große Chance steckt. Das ganze Team hat es entdeckt. „Sturm der Liebe“ war von Anfang an mit 30 Prozent Marktanteil ein sehr großer Erfolg. Um den zu halten, musste man sich etwas einfallen lassen. In diesem Falle war es, dass wir quasi den Freibrief erhielten, Vorschläge zu machen, wenn es um unsere Texte geht.
Mit welchen Konsequenzen?
Die Rolle des Dr. Niederbühl, die anfangs ein Blatt Papier gefüllt hat, ist dramatisch gewachsen. Für ihre Beschreibung ließe sich heute ein Buch füllen. Ich konnte wirklich kreativ arbeiten und eigene Eigenschaften und Fertigkeiten einbringen. In meinem Fall war es das Gitarre- und Klavierspielen. Am Ende war ich der Haus- und Hofmusiker des fiktiven Luxushotels Fürstenhof.
Nein, überhaupt nicht. Ich könnte diese Rolle noch zehn Jahre spielen. Weil er die ganze Zeit das Leben lebt und die Situationen immer neu waren.
„Sturm der Liebe“ ist ein generationenübergreifendes Phänomen geworden. Wie haben Sie das erlebt?
Die Fanbasis hat sich insofern erweitert, als die Kinder der ersten Seher hinzukamen. Längst ist diese Serie eine Art Kult, ja eine Legende, geworden. Auch deshalb veranstalte ich am 18. und 19. November eine Watch-Party auf Instagram, Facebook und TikTok, also ein Event, um die letzten Meter von Dr. Niederbühl gemeinsam mit den Fans zu erleben.
Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?
Gar nicht. Dafür bin ich schon zu alt. Ich genieße den Moment, mehr als jemals zuvor. Aber ich würde mich schon sehr freuen, wenn das Lied der Startschuss in ein neues Leben wäre. Ich bliebe ja Schauspieler, aber die Musik könnte dazukommen. Weil sie von Herzen kommt.